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Der Vata-Typ im Ayurveda: Das leichte, bewegliche Dosha

28.04.2022 | Ayurveda, Gesundheit, Wissen

Der Vata-Typ im Ayurveda: Das leichte, bewegliche DoshaWeißt du, welches Dosha bei dir dominiert? Wenn du eher schmal gebaut, sensibel und kommunikativ bist, bist du vielleicht ein Vata-Typ. Vata steht für die Elemente Luft und Äther. Hier erfährst du, was du tun kannst, um sowohl Leichtigkeit als auch Erdung in dein Leben zu bringen.

Pitta, Kapha, Vata: Die Doshas (Typen) im Ayurveda

Nach dem Verständnis des Ayurveda besteht alles in unserem Kosmos aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. In jedem Menschen, jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Gegenstand findet sich eine individuelle Kombination dieser Einflüsse. Wir sprechen dabei unter anderem von der Konstitution: Die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha veranschaulichen, welche Elemente in einem Menschen, Tier oder einer Pflanze zusammenspielen.

Mit den Doshas verbindet der Ayurveda bestimmte Eigenschaften, die sogenannten Gunas. Je nachdem, welche Elemente in dir dominieren, zeichnest du dich also durch bestimmte Merkmale aus. Bei Vata sind es die Elemente Luft und Äther – mit den entsprechenden Gunas leicht, trocken, beweglich, kalt, rau, feinstofflich und klar.

Wenn du von deiner Konstitution ein Vata-Typ bist, zeigen sich die Vata-typischen Gunas in deinem Körper und deiner Persönlichkeit. Allerdings gibt es nur wenige Menschen, die eindeutig einem Typ zugeordnet werden können: Wir alle tragen die Eigenschaften aller drei Doshas ins uns. Bei den meisten Menschen sind zwei Doshas etwa gleich stark ausgeprägt. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass du ein Mischtyp bist – zum Beispiel Vata-Kapha oder Pitta-Vata.

Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, unterscheidet der Ayurveda außerdem zwischen deiner Prakriti und deiner Vikriti: Das erste ist deine angeborene Konstitution, das andere deine aktuelle. Während deine Prakriti dein Leben lang gleich bleibt, hängt deine Vikriti mit deinem Lebensstil zusammen und kann sich verändern. Eine Ayurveda-Behandlung zielt immer darauf ab, dass deine Prakriti und Vikriti übereinstimmen – denn dann ist dein Körper in Balance.

Die Eigenschaften des Vata Doshas

Vata-Typen haben häufig einen schlanken, leichten und feingliedrigen Körperbau. Sie können entweder sehr groß oder sehr klein sein. Natürlich sind das nur grobe Anhaltspunkte, die nicht für alle Vata-Typen gelten. Nur Ayurveda-Ärzt*innen oder erfahrene Therapeut*innen können dir genau sagen, welcher Konstitutionstyp du bist. Trotzdem macht es riesigen Spaß, seine eigene Konstitution zu erforschen: Du wirst dabei eine Menge über dich selbst und deinen momentanen Zustand lernen.

Weitere körperliche Merkmale, die der Ayurveda einem Menschen mit Vata-Dominanz zuordnet:

  • Trockene und raue, manchmal rissige Haut
  • Feine, dünne Haare
  • Eher kleine Augen und schmale Lippen
  • Eine spitz zulaufende Zunge
  • Ein schneller, springender Puls (wie ein Frosch)
  • Knackende Gelenke
  • Ein trockener Darm mit einer Neigung zu Verstopfung
  • Kalte Hände und Füße, friert leicht
  • Unproportionale Körperteile (zum Beispiel große Hände, abstehende Ohren oder schiefe Zähne)
  • Neigt zu Untergewicht
  • Unregelmäßiger Appetit
  • Sprechen und bewegen sich schnell

Kreativ, feinfühlig und ein klein wenig chaotisch

Körper, Geist und Seele sind nach den Lehren des Ayurveda untrennbar miteinander verbunden. Neben den rein körperlichen Attributen ordnen wir dem Vata Dosha auch bestimmte geistige und emotionale Aspekte zu. Vata-Typen sind offen, feinfühlig und kommunikativ. Sie lieben es, sich mit Menschen auszutauschen und sind sehr sensibel für die Emotionen und Bedürfnisse anderer.

Typisch für Vatas ist auch, dass sie sich schnell für etwas begeistern. Sie sprudeln vor neuen Ideen und Abenteuerlust. Sowohl körperlich als auch geistig bleiben sie ständig in Bewegung. Vata-Typen gelten als sehr redegewandt und reißen andere Menschen gerne mit ihrem Optimismus mit. Viele von ihnen sind zudem sehr kreativ und haben eine ausgeprägte künstlerische Ader.

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten – das gilt auch für die Doshas. Alle Konstitutionstypen im Ayurveda haben bestimmte Stärken und Schwächen. Übersetzt heißt Dosha etwa so viel Verderber oder Das, was leicht aus der Balance gerät. Wenn du viel Vata in dir hast, zeigen sich bei dir wahrscheinlich auch die Vata-typischen Probleme.

Vatas interessieren sich für viele verschiedene Dinge – das bedeutet auch, dass sie sich leicht ablenken lassen. Sie haben zwar einen schnellen Verstand, vergessen gerade Gelerntes aber schon nach kurzer Zeit wieder. Viele Vata-Menschen reagieren empfindlich auf Geräusche, Sinneswahrnehmungen und Stimmungen. Sie leiden sehr unter Stress und neigen zu Nervosität, Ängstlichkeit und kreisenden Gedanken. Wenn du dich mit dem Vata Dosha identifizierst, verzettelst du dich vielleicht öfter mal oder ärgerst dich, weil du irgendwie immer Chaos verursachst.

Wenn das Vata Dosha aus dem Gleichgewicht gerät

Vata steht für das Prinzip der Bewegung und unsere essenzielle Lebenskraft. Es hat eine enge Verbindung zu unserer Verdauung, unserem Stoffwechsel, unserem Kreislauf, den Muskeln und Gelenken und unserem Nervensystem. Vata gilt im Ayurveda als das sensibelste Dosha und ist besonders anfällig für Störungen.

Agni, das ayurvedische Verdauungsfeuer, ist bei Vata-Typen unregelmäßig bis schwach. Kommt Stress hinzu oder fehlt die nötige Stabilität im Leben, macht sich das oft durch Verdauungsbeschwerden bemerkbar. Der Hauptsitz von Vata befindet sich im Dickdarm – und genau da zeigen sich oft die ersten körperlichen Anzeichen einer Vata-Störung.

Typische Symptome eines Vata-Ungleichgewichts sind zum Beispiel Blähungen und Verstopfung. Dazu kommen häufig Unruhe, Angst, Schmerzen, Kältegefühl oder Schlafstörungen. Da Vata-Typen eher schlechte Futterverwerter sind, neigen sie zu Untergewicht – manchmal auch, weil sie einfach vergessen zu essen. Tinnitus, das lästige Pfeifen im Ohr, kann ebenfalls auf eine Vata-Dominanz hindeuten.

Vatas, die ihr Gleichgewicht verloren haben, blockieren sich oft selbst: Sie können sich nicht entscheiden, verhalten sich sprunghaft und verlieren ihr Selbstvertrauen. Ist das Vata Dosha über einen langen Zeitraum gestört, kann das unter anderem zu Mangelerscheinungen, Gelenkproblemen, Nervenleiden und verschiedenen chronischen degenerativen Erkrankungen führen. Auch Hormonschwankungen und Zyklusstörungen bei Frauen hängen in der Regel mit einer Vata-Störung zusammen.

Gleiches verstärkt Gleiches

Einige der Symptome einer Vata-Störung kommen dir bekannt vor? Keine Sorge: Es gibt viel, was du tun kannst, um dein Vata auszugleichen. Nahrungsmittel sind im Ayurveda Medizin: Mit einer Ernährung, die zu deinem Konstitutionstyp passt, verhilfst du deinem Körper und Geist zu mehr Balance.

Der Ayurveda glaubt, dass Gleiches durch Gleiches verstärkt wird. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir unserem Körper das geben wollen, was ihm fehlt. Damit sind wir wieder bei den Gunas: Schweres, Öliges, Warmes, Schleimiges und Festes reduziert dein Vata Dosha.

Neben den Eigenschaften der Nahrungsmittel geht es aber auch um den Geschmack (Rasa): Wir kennen sechs Geschmacksrichtungen, die alle eine therapeutische Wirkung haben können. Süße, salzige und saure Lebensmittel helfen dir, eine Vata-Störung auszugleichen. Scharfe, bittere und herbe Gerichte können Vata verstärken.

Die richtige Ernährung für Vata-Typen

Wir empfehlen dir warme Getränke und nährstoffreiche Mahlzeiten, die viel Feuchtigkeit und viele gesunde Fette enthalten. Toll sind zum Beispiel Porridge, Kitchari, Aufläufe, Suppen oder reichhaltige Eintöpfe. Eier, Fleisch und Milchprodukte in Maßen können Vata-Typen helfen, ihrem Körper ausreichend Energie zuzuführen. Achte aber immer darauf, Produkte aus biologischem Anbau zu kaufen – am besten in Demeter-Qualität. Der Ayurveda legt auf Herkunft und Zubereitung genauso viel Wert wie auf die Wahl der Lebensmittel.

Kalte Getränke, Rohkost und Hülsenfrüchte sind dagegen eher ungünstig: Diese Produkte erhöhen dein Vata und können bei einem schwachen Vata-Agni zu Blähungen und Unwohlsein führen. Mungbohnen (Mung Dal) sind die Ausnahme: Sie gleichen alle drei Doshas aus. Außerdem kannst du Hülsenfrüchte verträglicher machen – zum Beispiel, indem du sie lange einweichst.

Die folgenden Lebensmittel eignen sich gut für Vata-Typen:

  • Stärkehaltiges, saures und süßes Gemüse (Kartoffel, Süßkartoffel, Kürbis, Pastinake, Möhre, Rote Beete, reife Tomate)
  • Getreide (Reis, Dinkel, Hafer, Weizen)
  • Nüsse und Samen (besonders Sesam, Mandel, Cashew)
  • Süßes und saures Obst (Mango, Avocado, reife Banane, Granatapfel, Pfirsich, Ananas, Melone, Pflaume, Zitrusfrüchte)
  • Trockenfrüchte (Dattel, Feige, Aprikose)
  • Eier
  • Hochwertige Milchprodukte (gerne fermentiert)
  • Fisch und Fleisch (in moderaten Mengen)
  • Hochwertige Fette (vor allem Ghee, Sesamöl und Olivenöl sind gute Vata-Öle)
  • Süßstoffe wie Honig, Ahornsirup, Dattelsirup, Melasse, Jaggery und kleine Mengen Rohrzucker

Vata-Typen brauchen viel Wasser – ideal sind etwa zwei Liter pro Tag. Da Vatas ohnehin eine eher schwache Verdauung haben, ist es aber besser, zu den Mahlzeiten nur wenig oder gar nichts zu trinken.  Außerdem kommt es darauf an, in welcher Atmosphäre du deine Mahlzeit zu dir nimmst und wie du sie zusammenstellst.

Du bist ein Mischtyp? Dann solltest du bei der Wahl deiner Getränke und Lebensmittel immer beide Doshas im Auge behalten. Was zählt, ist, welche Energie du gerade ausgleichen möchtest. Fühlst du dich momentan eher etwas träge und schwer, kann der süße Geschmack die Kapha-Tendenzen noch verstärken. Mit zu vielen sauren Lebensmitteln riskierst du, dass dein Pitta Dosha in die Höhe schießt. Und natürlich muss dein Essen dir schmecken! Wie immer geht es darum, das richtige Maß für dich zu finden.

Tipps, um Vata-Störungen auszugleichen

Tees und Gewürze sind eine wunderbare Möglichkeit, um die Energie und Wirkung deiner Nahrung zu beeinflussen. Als Vata-Typ kannst du mit Gewürzen deinen Appetit und dein Verdauungsfeuer Agni stimulieren.

Mit diesen Gewürzen machst du deine Mahlzeiten Vata-tauglicher:

  • Ingwer
  • Zimt
  • Kurkuma
  • Fenchel
  • Basilikum
  • Lorbeer
  • Kardamom
  • Kümmel
  • Vanille
  • Kreuzkümmel
  • Koriander
  • Minze
  • Muskat
  • Safran
  • Ajowan
  • Nelken
  • Anis
  • Vata-Churna (spezielle Vata-Gewürzmischung)

Die passenden Lebensmittel und Gewürze zu wählen, ist aber nur ein Aspekt: Mit einem starken Vata Dosha ist es sehr wichtig für dich, mehr Ruhe und Stabilität in dein Leben zu integrieren. Versuche, möglichst regelmäßig zu essen – mehrere kleine Mahlzeiten sind meist besser als wenige große. Vermeide es, zu fasten und lass die Abstände zwischen deinen Mahlzeiten nicht zu groß werden. Nimm dir die Zeit, ohne Ablenkung in Ruhe zu essen und kaue deine Nahrung sorgfältig.

Eine feste Tagesroutine, die deinen Körper und Geist erdet, kann dir helfen, im Gleichgewicht zu bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass du dir selbst ein Korsett auferlegen musst: Du möchtest einen Rhythmus finden, der für dich gut funktioniert. Flexibilität bedeutet Vatas viel, und du darfst sie dir gerne bewahren.

Weitere Tipps, die dein Vata reduzieren:

  • Halte dich warm – sowohl körperlich als auch seelisch
  • Übe aktive Entspannung, zum Beispiel durch sanftes Yoga oder Meditation
  • Ruhige Atemübungen wie die Wechselatmung (Nadi Shodana) gleichen Vata aus
  • Gönne dir regelmäßige Ölmassagen oder ein Bad mit einem öligen Badezusatz
  • Unterstütze deine Vata-Balance durch melodische Musik, beruhigende ätherische Öle (zum Beispiel Lavendel) oder warme Kräutertees (Melisse, Hopfen oder Baldrian)
  • Sorge für eine gemütliche Atmosphäre in der Wohnung – kuschelige Textilien sind ideal

Wir alle sind ein bisschen Vata

Auch wenn du im Hinblick auf deine Prakriti kein Vata-Typ bist, kannst du eine Vata-Störung entwickeln. Unsere Gesellschaft ist sehr Vata-lastig: Wir hetzen von A nach B und werden ständig mit den verschiedensten Eindrücken bombardiert. Dauerhafter Stress und eine massive Reizüberflutung sind eine der Hauptursachen dafür, dass Vata-Störungen heute an der Tagesordnung sind.

Die Jahreszeit und das Lebensalter haben ebenfalls Einfluss darauf, wie dominant dein Vata Dosha ist. Herbst und früher Winter sind Vata-Zeit: Die Luft ist kühl, der Wind wird stärker, die Pflanzen trocknen aus. Zwischen Oktober und Januar tust du dir also grundsätzlich etwas Gutes, wenn du viel Warmes isst. Süße Lebensmittel, anregende Gewürze und ein regelmäßiges Wohlfühl-Programm nähren dich während dieser Zeit auf allen Ebenen.

Du bist älter als 45? Dann nimmt dein Vata-Anteil ganz automatisch zu. In der Vata-Zeit des Lebens werden Haut und Gelenke trockener, der Körper verliert an Substanz. Für Ausgleich sorgen auch hier warme, nährstoffreiche Mahlzeiten, reichlich gesunde Fette (innerlich und äußerlich) und eine entspannte Routine.

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