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Was ist Ölziehen – Eine Anleitung zum ayurvedischen Ölziehen

07.10.2021 | Ayurveda, Gesundheit, Leichtigkeit, Therapie, Vitalität, Wissen, Wohlbefinden

Was ist Ölziehen? Alles über Wirkung, das beste Öl und eine Anleitung zum selbe Machen.In der traditionellen ayurvedischen Medizin gibt es die unterschiedlichsten Anwendungen mit Ölen, die unter anderem auch Entgiftungsprozesse unterstützen kann. Was genau ist Ölziehen eigentlich?

Das ayurvedische Ölziehen kennt also eine lange Tradition und hat auch in der westlichen Welt inzwischen Fuß gefasst. Beim Ölziehen wird der Mundraum mit Öl gespült, bzw. wird das Öl durch die einzelnen Zahnzwischenräume gezogen – daher der Begriff „Ölziehen“.

Nicht nur zur Stärkung der Zähne, des Zahnfleisches und des Kiefers, sondern auch zur Kariesvorbeugung sowie zur Bekämpfung von Mundgeruch, Zahnfleischbluten, Mundtrockenheit und rissigen Lippen dient die alte ayurvedische Tradition. Aber auch andere Krankheiten kann dank des Ölziehens vorgebeugt werden.

In diesem Artikel wird erklärt, welche Wirkungen das Ölziehen auf uns hat und wie es richtig angewendet wird.

Die Wirkung von Ölziehen

Auf die Zahn- und Mundgesundheit wirkt sich das Ölziehen besonders positiv aus.

Das tägliche Anwendung hilft gegen Zahnfleischentzündungen, löst Zahnbelag, bekämpft Karies und Mundgeruch, festigt lockere Zähne. Bei regelmäßiger Anwendung können sogar die Zähne wieder heller werden.

Aber auch zur ganzheitlichen Therapie bei Kopfschmerzen, grippalen Infekten, Magengenschleimhautentzündungen, Herzerkrankungen, Thrombosen, Arthritis, Ekzemen, Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis bis hin zu Frauenleiden, um nur einige zu nennen, eignet sich das Ölziehen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt, dass die Ölziehpraxis bei etwa 30 Krankheiten helfen kann, das Zahnfleisch stärkt, eine Anti-Karies-Wirkung hat, sowie Plaque reduziert und antibakteriell wirkt.

Bei den Anwendung werden Gifte und Säuren aus der Mundhöhle und dem Zahnfleisch gezogen. Das ist der Hauptentgiftungsprozess. Die Durchblutung des Zahnfleisches verbessert sich und somit wird die Selbstheilungskraft aktiviert und gestärkt.

Doch auch der gesamte Organismus wird durch die entgiftende und antibakterielle Wirkung des Ölziehens effektiv entlastet und somit sind Auswirkungen auch in anderen Körperbereichen bemerkbar.

In der 2008 erschienenen Studie, welche im African Journal of Microbiology Research veröffentlicht wurde, stellte sich die Frage, wie sich die Wirkung des Ölziehens auf die Verringerung der Gesamtkeimzahl auswirkt. Tatsächlich konnte eine bemerkenswerte Verringerung der Bakterien festgestellt werden und auch, dass bestimmte Bakterien (Streptococcus mutans und Lactobacillus acidophilus) empfindlich gegenüber Sesamöl sind.

Schritt-für-Schritt Anleitung fürs Ölziehen

Beginne am besten gleich nach dem Aufstehen, noch bevor Du etwas gegessen oder getrunken hast, und zwar mit dem Zungenschaben. Das Zungenschaben ist ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Reinigung und hilft, über Nacht angesammelte toxische Stoffe von der Zunge zu entfernen.

Der Mundraum gehört bereits zum Verdauungssystem und wird durch die tägliche Reinigung unterstützt. Das Zungenschaben reduziert Mundgeruch und verstärkt mit der Zeit sämtliche Geschmackswahrnehmungen.

Zungenschaber gibt es aus z. B. aus Edelstahl in Ayurvedashops oder dem Reformhaus. Aber auch ein umgedrehter Löffel erfüllt den Zweck!

Dabei schabt man sanft mit dem Zungenschaber oder dem Löffel 5, 6 Mal von hinten nach vorne mit ein wenig Druck über die Zunge und entfernt so den darauf befindlichen Belag. Achtung nicht zu fest schaben, damit die Zungenknospen nicht verletzt werden.

Du kannst hier auch jeden Morgen Deinen Zungenbelag beobachten. Es ist ganz normal, dass ein feiner weißer Belag morgens auf Deiner Zunge liegt. Dieser sollte sich jedoch beim Zungenschaben leicht lösen lassen.

Bleibt der Belag hartnäckig auf der Zunge, ist das ein Anzeichen dafür, dass ein Verdauungsproblem vorliegt. Dem kannst Du im besten Fall nachgehen und überprüfen, ob sich der Zungenbelag verändert, also reduziert.

Zweiter Schritt

Für das Ölziehen nimm einen Esslöffel Öl und spüle dieses für ca. 15 bis idealerweise 20 Minuten hin und her in alle Richtungen ziehe es zwischen die Zahnzwischenräume durch. Dadurch wird Speichel produziert, dieser vermehrte Speichelfluss kann Bakterien und Beläge in der Mundhöhle aufnehmen und binden. Lege zwischendurch immer wieder eine Pause ein, in der das Öl sich im Mund verteilen und einwirken kann.

Wichtig: das Öl nicht schlucken, da darin Gifte und Bakterien enthalten sind, die Du loswerden möchtest.

Bei Problemen mit Parodontitis und anderen Infektionen im Mundbereich kannst Du dem Öl einen Tropfen Grapefruitkernextrakt beimischen. Grapefruitkernextrakt wird gerne als natürliches Antibiotikum gegen Viren und Pilze sowie Bakterien eingesetzt.

Für alle, die morgens wenig Zeit haben, kann die Dauer des Ölziehens auch genutzt werden, um Frühstück zuzubereiten. Nach einiger Zeit wird sich diese Routine schnell ich in den Alltag integrieren. Es ist nur eine Gewohnheitssache.

Dritter Schritt

Nach den 15 – 20 Minuten das Öl ausspucken. Wichtig dabei ist, dass das Du das Öl in ein Papiertuch spuckst und nicht in den Abfluss. Das hat mehrere Gründe, zum einen sollen die Bakterien nicht ins Abwasser geraten und zum zweiten kann Öl im Abfluss zu Verstopfungen führen.

Nun fragst Du Dich vielleicht, warum das Ölziehen so viel länger als Zähneputzen dauert. Nun, diese Zeit braucht das Öl, um in Ruhe in schwer erreichbare Stellen im Mund zu sickern und die dort sitzenden Bakterien aufzunehmen. Wenn ein antibakterieller Stoff hier das Öl 20 Minuten lang auf die Bakterien einwirken kann, ist es für ihn einfacher, bis in die letzten Winkel zu gelangen, um dort alle schädlichen Bakterien zu erwischen und die Zahnfleischtaschen sauber zu halten.

Ein positiver Nebeneffekt des Ölziehens ist, dass das Zahnfleisch intensiv massiert und besser durchblutet wird.

Vierter Schritt:

Dann spüle Deinen Mund gründlich aus und putze Deine Zähne mit einer milden Zahnpasta.

Fünfter Schritt:

Idealerweise folgt jetzt ein warmes/heißes Glas Wasser.

Welches Öl eignet sich für welche Dosha-Typen?

Für die unterschiedlichen Doshas werden unterschiedliche Öle empfohlen. Öle haben ebenfalls ihre besonderen Eigenschaften wie leicht, schwer, kühlend oder erhitzend. Deshalb ist es sinnvoll, diese Eigenschaften auch beim Ölziehen zu berücksichtigen.

Es gibt Basisöle oder auch Kombinationsöle. Ein Basisöl ist ein Öl, dem keine weiteren Substanzen wie Kräuter oder ätherische Öle beigefügt sind. Als Basisöle werden vor allem Sesamöl, Kokosöl und Ghee verwendet. Wenn Basisöle mit Heilpflanzen aufbereitet werden, spricht man von Kombinationsölen. Solche Kombinationsöle gibt es in Drogeriemärkten inzwischen auch speziell fürs Ölziehen. Auch diese eignen sich zum Ölziehen, je nachdem, welches Basisöl verwendet wurde.

Auf welche doshaspezifischen Eigenschaften sollte also geachtet werden?

Das richtige Öl für Kapha-Typen

Kapha-Typen sind von Natur aus eher ölig veranlagt. Daher benötigen sie grundsetzlich eher wenig Öl, sei es in der Ernährung, Kosmetik oder bei Ölanwendungen. Leichte Öle wie Sonnenblumenöl, Rapsöl und Distelöl eigenen sich besonders gut. Ghee und schwere Öle, Sesamöl, Olivenöl und Butter können Kapha erhöhen und sollten daher nur gelegentlich eingesetzt werden.

Sonnenblumenöl hat eine gute Konsistenz zum Ölziehen, hat einen milden Geschmack und ist günstig zu erwerben. Rapsöl, welches eher einen herben Geschmack hat, kann auch gut angewendet werden, muss allerdings nach Anbruch im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Geeignete Öle für Pitta-Typen

Pitta-Typen neigen tendenziell auch eher zu einem öligen Charakter und einem feurigen Naturell. Daher sind leichte und kühlende Öle hier besonders geeignet.

Kokosnussöl, Sonnenblumenöl und Ghee sind für Pitta-Typen gut geeignet. Olivenöl und Sesamöl können hin und wieder auch verwendet werden. Kokosöl hat zu der antibakteriellen Wirkung auch noch eine entzündungshemmende Eigenschaft und ist daher für das Ölziehen bei vorrangigem Pitta-Dosha besonders zu empfehlen.

Gute Öle für Vata-Typen

Vata-Typen neigen sehr zu Trockenheit, deshalb dürfen hier wärmende und reichhaltige Öle wie Sesamöl, Olivenöl und Ghee großzügig eingesetzt werden.

Sesamöl besitzt, wie das Kokosöl zu ihrer antibakteriellen Wirkung noch eine entzündungshemmende Eigenschaft, weshalb das Sesamöl für Vata-Typen beim Ölziehen besonders geeignet ist.

Probiere es einfach selbst aus

Tipp: wenn Dir der Einstieg zu viel Zeit erfordert, versuche mit 5 Minuten pro Tag zu starten und die Zeit des Ölziehens langsam zu erhöhen. Du wirst die Fortschritte an Deinem Zungenbelag beobachten können. Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Möchtest Du mehr über die traditionellen ayurvedischen Praktiken Deiner Gesundheit zuliebe kennen lernen und auch um anderen Menschen zu helfen?

Dann schau in unserem Ayurveda Seminarberater vorbei, oder melde Dich telefonisch bei uns. Wir beraten Dich gern!

 

Quellen:

  • Anand TD, Pothiraj C, Gopinath RM et al., Effect of oil-pulling on dental caries causing bacteria, März 2008, African Journal of Microbiology Research
  • Asokan S et al., Effect of oil pulling on halitosis and microorganisms causing halitosis: a randomized controlled pilot trial, Journal of Indian Society of Pedodontics and Preventive Dentistry, April Juni 2011

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Cecilia Aretz vom Ayurveda CampusÜber die Autorin des Artikels:
Es gibt zwei Leidenschaften, für die Cecilia Aretz brennt. Das ist zum einen der Ayurveda und zum anderen die Arbeit mit Bild und Text. Mit ihrem Hintergrund als Fotografin und Content Marketing Managerin unterstützt sie den Ayurveda Campus im Marketing und bringt ihre beiden Leidenschaften hier zusammen. Zu ihrer Arbeit gehört neben dem Schreiben von Blogartikeln, die Interviewreihe mit ehemaligen Teilnehmer*innen, sowie dem Social Media Marketing.

 

 

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